Stellen Sie sich eine Welt vor, in der hochwertige Bildung kein Privileg weniger, sondern ein Grundrecht für alle ist. Eine Welt, in der das Wissen, das wir für unsere Zukunft brauchen, frei zugänglich und an die lokalen Bedürfnisse angepasst ist. Diese Vision wird durch Open Educational Resources (OER) – offene Bildungsressourcen – Wirklichkeit. Sie sind weit mehr als nur kostenlose Lehrmaterialien; sie sind der Herzschlag einer globalen Bewegung, die Bildungsbarrieren einreißt und Lernchancen für Millionen schafft.
Vom globalen Süden inspiriert: Bildung neu denken
Lange Zeit wurden Bildungsinhalte oft aus der Perspektive entwickelter Länder erstellt. Doch die wahren Bedürfnisse und Herausforderungen, insbesondere im globalen Süden, blieben dabei oft unerfüllt. Hier setzt das beeindruckende Forschungsprojekt ROER4D (Research on Open Educational Resources for Development) an. Es untersucht, wie OER im globalen Süden so produziert werden können, dass sie präzise auf die lokalen Anforderungen von Institutionen und Menschen zugeschnitten sind. Die Kernfrage ist: Wie und unter welchen Umständen können OER die wachsende Nachfrage nach zugänglicher, relevanter, qualitativ hochwertiger und erschwinglicher Hochschulbildung in diesen Regionen erfüllen?
Die Antwort darauf ist ein klares Ja, und die Beispiele sind inspirierend. Initiativen wie OER Africa, gegründet vom South African Institute for Distance Education (Saide), übernehmen eine führende Rolle dabei, die Entwicklung und Nutzung von OER auf dem gesamten afrikanischen Kontinent voranzutreiben. Das Projekt OER4Schools konzentriert sich speziell auf den Einsatz offener Bildungsressourcen in der Lehrerausbildung in Subsahara-Afrika und stärkt so das Fundament zukünftiger Generationen von Lehrenden.
Globale Pioniere für offenes Wissen
Die Welle der OER-Bewegung ist nicht auf den globalen Süden beschränkt, sondern eine weltweite Transformation. Bereits das MIT OpenCourseWare war ein Vorreiter, dem bald darauf Initiativen wie China Open Resources for Education und OpenCourseWare in Japan folgten. Das 2005 gegründete OpenCourseWare Consortium, das 2009 bereits über 200 Mitgliedsinstitutionen zählte, treibt die Verbreitung und Wirkung offener Kursmaterialien entscheidend voran.
Länder wie Bangladesch haben Pionierarbeit geleistet, indem sie als erster Staat einen kompletten Satz von Schulbüchern für die Klassen 1–12 digitalisiert und kostenlos verteilt haben – ein gigantischer Schritt in Richtung Bildungsgerechtigkeit. Uruguay suchte 2011 bis zu 1.000 digitale Lernressourcen und Südkorea kündigte an, bis 2015 alle Lehrbücher zu digitalisieren und Schülern Computer bereitzustellen. Selbst in den USA gibt es bemerkenswerte Projekte wie die Free Digital Textbook Initiative in Kalifornien. Auch in der Karibik, wie in Dominica, werden bestehende OER-Lehrbücher durch ergänzende Videos und die Konvertierung in das EPUB-Format für Smartphones und Tablets erweitert, um den Zugang zu optimieren.
Diese Geschichten zeigen, dass OER weit mehr sind als nur ein Trend; sie sind eine Bewegung, die das Potenzial hat, Bildung global zu demokratisieren und zu transformieren. Sie bieten Lösungen und Orientierung in einer komplexen Bildungslandschaft und ermutigen uns alle, an eine Zukunft zu glauben, in der Wissen für jeden Menschen frei zugänglich ist – unabhängig von Herkunft oder finanziellem Hintergrund.




