Das deutsche Bildungssystem hat in den letzten Jahren Außerordentliches geleistet, um junge Geflüchtete willkommen zu heißen und in den Schulalltag zu integrieren. Diese Anstrengungen sind beachtlich und zeugen von großem Engagement. Doch der Weg zu einer umfassenden Bildungsgerechtigkeit für alle ist ein Marathon, kein Sprint. Eine aktuelle Studie der Bremer Sozialwissenschaftlerin Dita Vogel und der GEW-Migrationsexpertin Elina Stock wirft ein Licht auf diesen Weg – und zeigt, wo unser Bildungssystem noch gezielter ansetzen kann, um „Chancen und Hoffnung durch Bildung“ zu verwirklichen.
Jeder Monat zählt: Bildung kann nicht warten
Die Studie, die exemplarisch die Situation in Bremen beleuchtet, analysiert nicht nur bestehende Regelungen, sondern gibt auch konkrete Handlungsempfehlungen. Ein Kernpunkt ist die Dringlichkeit des Schulzugangs. „Bildung kann nicht warten“, betont die GEW. Diese Worte sind mehr als nur ein Aufruf; sie sind eine Mahnung, dass jeder Monat, in dem junge Menschen ohne Schulzugang bleiben, verlorene Zeit ist – Zeit, die für das Deutschlernen, aber auch für das Ankommen, das Knüpfen von Kontakten und das Aufbauen einer neuen Perspektive entscheidend ist. Unabhängig vom Aufenthaltsstatus muss der Zugang zu Schule und Berufsausbildung so schnell wie möglich ermöglicht werden. Denn erfolgreiche Abschlüsse sind der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben in Deutschland und zu einer gelingenden gesellschaftlichen Integration.
Die Integration erfordert jedoch mehr als nur offene Türen. Sie braucht ein starkes Fundament. Die Studie und die GEW fordern zu Recht zusätzliche Lehrkräfte, Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen. Schulen müssen zu multiprofessionellen Orten werden, an denen traumatisierte Kinder und Jugendliche nicht nur unterrichtet, sondern ganzheitlich unterstützt werden können. Die chronische Unterfinanzierung des Bildungsbereichs und der akute Lehrkräftemangel sind hierbei die größten Hürden, die es mutig zu überwinden gilt. Es geht darum, langfristige Lösungen zu gestalten, die über die akute Notlage hinausgehen.
Martin Henry, Forschungskoordinator der Bildungsinternationale (BI), dem Auftraggeber der europaweiten Studie, fasst es treffend zusammen: „Deutschland hat in einer Notlage eine Führungsrolle übernommen. Jetzt geht es darum, langfristige Lösungen zu gestalten.“ Diese langfristigen Lösungen sind eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft und in das Potenzial jedes einzelnen jungen Menschen. Sie sind ein Versprechen, dass Bildung wirklich für alle da ist und Hoffnung sowie Chancen schafft. Es ist an uns allen, dieses Versprechen einzulösen.




