Künstliche Intelligenz (KI) ist längst mehr als nur ein Buzzword; sie transformiert unsere Gesellschaft in einem atemberaubenden Tempo – und das Bildungswesen bildet dabei keine Ausnahme. Von personalisierten Lernpfaden bis hin zu intelligenten Assistenzsystemen verspricht KI, das Lernen zu revolutionieren. Doch mit jeder Innovation wächst auch die Verantwortung. Wie können wir gewährleisten, dass diese tiefgreifende Veränderung unsere menschlichen Werte nicht untergräbt, sondern vielmehr stärkt?
Die Antwort liegt in einem sorgfältigen und ethischen Ansatz. Bildung ist ein einzigartiger Sektor, der weit über die bloße Wissensvermittlung hinausgeht. Sie prägt Persönlichkeiten, fördert kritisches Denken und legt das Fundament für eine demokratische Gesellschaft. Deshalb erfordert die Einführung und Nutzung von KI im Bildungsbereich besondere Überlegungen: Wie entwickeln und implementieren wir rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen für eine ethische KI-Nutzung? Wie können wir durch KI-gestützte Lernmöglichkeiten Menschenrechte, Demokratie, digitale Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit schützen und sogar fördern? Und wie beziehen wir alle Ebenen – vom einzelnen Klassenzimmer bis zur nationalen Bildungspolitik – und alle Beteiligten ein, um Vertrauen und ethisches Handeln zu gewährleisten?
Ein europäischer Pakt für die Bildung von morgen
Diese drängenden Fragen sind der Ausgangspunkt für eine wegweisende Initiative. Angesichts der Notwendigkeit, internationale Standards zu setzen, hat der Europarat – eine Organisation, die seit 1949 die Menschenrechte, die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit in Europa schützt – aktiv gehandelt. Im Jahr 2021 gründete er eine Expertengruppe für Künstliche Intelligenz und Bildung (AI&ED), deren Aufgabe es ist, ein rechtliches Instrument für die Anwendung von KI in der Bildung (AIED) und für die Vermittlung von KI-Kompetenzen (AI Literacy) zu erarbeiten.
Dieses ambitionierte Projekt, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führender europäischer Universitäten (Bonn, Duisburg-Essen, Leeds, University College London) sowie der European EdTech Alliance beteiligt sind, arbeitet daran, umsetzbare Empfehlungen für die 46 Mitgliedstaaten zu entwickeln. Ziel ist es, sicherzustellen, dass der Einsatz und die Vermittlung von KI im Bildungsbereich dem Gemeinwohl dienen. Es ist ein gemeinschaftliches Bekenntnis dazu, die Potenziale der KI zu nutzen und gleichzeitig unsere grundlegenden Werte zu verankern. So wird der digitale Wandel zu einer Chance für alle, Bildung gerechter, zugänglicher und menschlicher zu gestalten.




