Unsere Hochschulen sind seit jeher Leuchttürme des Wissens und der Innovation. Doch neben Forschung und Lehre rückt zunehmend eine dritte Mission in den Fokus: das aktive Engagement in der Gesellschaft. Während Initiativen durch EU-Sozialfonds in Europa den Startschuss für gemeindebasierte Lernansätze gaben, war das breitere gesellschaftliche Engagement europäischer Hochschulen historisch weniger ausgeprägt – oft dominierte der Fokus auf wirtschaftlichen Nutzen und Technologietransfer.
Dabei gibt es inspirierende Vorbilder: In Lateinamerika gehört gemeinschaftliche Arbeit seit Langem fest zu den Studienprogrammen, etwa in Mexiko und Costa Rica. Auch Länder wie Argentinien, Brasilien, Chile und Venezuela haben in den letzten 15 Jahren nationale Programme zur Förderung des gemeindebasierten Lernens etabliert. Diese Beispiele zeigen eindrucksvoll, welch tiefgreifenden positiven Einfluss eine engere Verflechtung von Universität und Gemeinschaft haben kann.
Europas Hochschulen entdecken ihre gesellschaftliche Rolle neu
Die gute Nachricht: Auch in Europa wächst das Bewusstsein für diese wichtige Aufgabe. Seit den frühen 2000er-Jahren fordern internationale Netzwerke wie das Talloires Network – mit über 600 Mitgliedsorganisationen weltweit – Hochschulen dazu auf, stärker auf die Bedürfnisse ihrer Umgebung einzugehen. In den letzten Jahren haben sich zudem bedeutende europäische Initiativen formiert, darunter das Projekt TEFCE (Towards a European Framework for Community Engagement in Higher Education). Es zielt darauf ab, neue Wege zur Bewertung und Unterstützung des gesellschaftlichen Engagements an europäischen Hochschulen zu entwickeln und zu fördern.
Dies ist mehr als nur eine neue Modeerscheinung; es ist eine Chance, die Rolle der Hochschulen im 21. Jahrhundert neu zu definieren. Es ist eine Einladung, Universitäten zu wahren Partnern in der Gestaltung einer besseren Zukunft zu machen – dort, wo Lernen nicht nur in Hörsälen stattfindet, sondern direkt in und mit der Gemeinschaft wirkt. Eine spannende Entwicklung, die das Potenzial hat, Bildung in Europa noch relevanter und wirkungsvoller zu gestalten.




