Frühkindliche Bildung ist der Grundstein für ein erfülltes Leben, die Basis für Chancengleichheit und der Motor für eine prosperierende Gesellschaft. Diese Erkenntnis ist nicht neu, doch ihre Bedeutung wird weltweit immer stärker anerkannt. Die Europäische Union tritt hierbei als eine wichtige Architektin einer besseren Zukunft für unsere Kleinsten in Erscheinung. Bereits 2017 wurde das Recht von Kindern auf eine qualitativ hochwertige und erschwingliche frühkindliche Bildung und Betreuung als zentraler Pfeiler in die „Europäische Säule sozialer Rechte“ integriert – ein wegweisender Katalog für Beschäftigungs- und Sozialpolitik.
Ein Fundament mit Rissen: Die Ungleichheit der Startchancen
Der Blick nach vorn ist vielversprechend: Erst im Dezember 2022 wurden mit der „European Care Strategy“ neue Ausbauziele für die Kindertagesbetreuung empfohlen. Bis 2030 sollen europaweit 45 Prozent der unter 3-Jährigen und beeindruckende 96 Prozent der Kinder ab 3 Jahren bis zum Schuleintritt von diesen Angeboten profitieren. Viele Länder erweitern zudem Rechtsansprüche, um Eltern einen schnellen Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Doch trotz dieser vielversprechenden Visionen offenbaren sich in der Praxis noch erhebliche Bruchstellen. Bisher gelingt es nur wenigen Ländern, wie Dänemark und Schweden, echte Chancengleichheit beim Kita-Zugang herzustellen. Gerade bei den unter 3-Jährigen sind die sozialen Unterschiede in der Inanspruchnahme eines Betreuungsplatzes in Ländern wie Irland, den Niederlanden und Frankreich alarmierend hoch. Auch in Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern hängt die Wahrscheinlichkeit eines Kita-Besuchs in dieser Altersgruppe noch stark vom familiären Hintergrund und dem Einkommen ab – eine Realität, die wir nicht akzeptieren dürfen.
Horizonte erweitern: Was wir voneinander lernen können
Die Aufwertung und der Ausbau der frühen Bildung sind keine isolierten Phänomene, sondern spiegeln einen globalen Trend in entwickelten Staaten wider. Überall zeigen sich neben den erzielten Fortschritten ähnliche Herausforderungen: die sozial ungleichen Chancen auf Teilhabe und die Gewinnung sowie Bindung von qualifiziertem pädagogischem Personal. Eine internationale Perspektive auf frühkindliche Bildungssysteme ist daher nicht nur nützlich, sondern essenziell. Sie ermöglicht uns, das eigene System kritisch einzuordnen und von den Erfahrungen anderer zu lernen. Foren wie das „Network on Early Childhood Education and Care“ der OECD und thematische Arbeitsgruppen der Europäischen Union bieten hierfür wertvolle Plattformen des Austauschs. Die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg stärkt unsere Fähigkeit, nachhaltige und gerechte Lösungen zu entwickeln. Es ist ein gemeinsamer Weg, um sicherzustellen, dass jedes Kind – unabhängig von Herkunft und Einkommen – die besten Startchancen erhält und somit die Wurzeln für eine starke und gerechte Zukunft gelegt werden.




