In der dynamischen Welt der Hochschulbildung ist die mentale Gesundheit unserer Studierenden ein Thema, das zunehmend die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient. Doch während die Sensibilität wächst, stehen wir in Europa vor der Herausforderung, die Wirksamkeit von Beratungsdiensten noch nicht umfassend erforscht zu haben und die Angebote länderübergreifend uneinheitlich sind. Der renommierte Eurydice-Bericht „Towards equity and inclusion in higher education in Europe“ beleuchtet, dass nur etwa die Hälfte der Länder des Europäischen Hochschulraums (EHEA) eine rechtliche Verpflichtung zur Bereitstellung psychologischer Beratungsdienste auf höchster Ebene haben. Dies zeigt eine Lücke auf, die es zu schließen gilt, um ein wahrhaft inklusives und unterstützendes Bildungssystem zu schaffen.
Oft sind es die Hochschulen selbst, die diese entscheidenden Dienste anbieten. Doch die Landschaft ist vielfältig: In einigen Ländern wie der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Dänemark, Deutschland und der Slowakei sind öffentliche Behörden die alleinigen Anbieter. Diese Vielfalt verdeutlicht die Notwendigkeit einer koordinierten Strategie und einer Priorisierung des mentalen Wohlbefindens. Es ist eine Frage der Bildungsgerechtigkeit, dass jeder Studierende, unabhängig von Standort oder Hintergrund, Zugang zu hochwertiger psychologischer Unterstützung hat, wenn er oder sie diese benötigt.
Ein Wendepunkt in Rom: Europas Verpflichtung zur Fürsorge
Doch es gibt Grund zu Optimismus und konkrete Schritte nach vorn. Bereits auf der Ministerkonferenz 2020 in Rom haben die Bildungsminister des Europäischen Hochschulraums wegweisende „Grundsätze und Leitlinien zur Stärkung der sozialen Dimension der Hochschulbildung im EHEA“ verabschiedet. Mit dieser Erklärung haben sie sich dazu verpflichtet, politische Rahmenbedingungen zu entwickeln, die es Hochschulen ermöglichen, eine effektive Beratung und Orientierung sicherzustellen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den spezifischen Bedürfnissen benachteiligter, unterrepräsentierter und vulnerabler Studierender – ein klares Zeichen für ein tiefgreifendes Verständnis von Inklusion und Chancengleichheit in der Bildung.
Expertinnen wie Valérie Van Hees, Koordinatorin des Support Centre for Inclusive Higher Education (SIHO) in Belgien, spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung dieses Wandels. Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Hochschulpolitik und Inklusion treibt sie Projekte wie PLAR-U-PAGs voran und hat maßgeblich zur Entwicklung von MoodSpace beigetragen. Ihre Arbeit und die ihrer Kolleginnen und Kollegen sind das Herzstück der Bemühungen, nicht nur politische Rahmen zu schaffen, sondern auch konkrete Werkzeuge und Strategien zur Verfügung zu stellen, die Hochschulen und Behörden dabei unterstützen, nachhaltige Inklusionsstrategien umzusetzen. Dies ist mehr als nur eine Verpflichtung auf dem Papier; es ist eine Bewegung, die das Wohlbefinden unserer Studierenden ins Zentrum rückt und eine Kultur der Unterstützung und des Verständnisses fördert.




