Jedes Kind kennt die pure Freude am Spiel – das Eintauchen in Fantasiewelten, das Entdecken neuer Möglichkeiten, das gemeinsame Lachen. Doch wie oft fragen wir uns, ob dieses lustvolle Tun auch einen festen Platz im strukturierten Lernalltag unserer Schulen haben sollte? Lange Zeit schien es, als stünden das freie, selbstgesteuerte Spiel und der lernzielorientierte Kompetenzerwerb im Widerspruch zueinander. Die direkte Instruktion schien für die einen der Königsweg, während das freie Spiel als zu ungezähmt für Bildungsziele galt.
Doch die gute Nachricht ist: Es gibt einen dritten Weg – einen Weg, der die scheinbaren Gegensätze nicht nur überwindet, sondern sie zu einer kraftvollen Einheit verschmilzt. Das spielbasierte Lernen, wie es auch der Lehrplan 21 postuliert, ist genau dieser Ansatz. Es verbindet auf einzigartige Weise das lustvolle, selbstgesteuerte Tun der Kinder mit dem zielgerichteten Erwerb von Kompetenzen, die sich am Lehrplan orientieren.
Eine feine Balance finden: Die Kunst der Didaktik
Die wahre Kunst liegt dabei in einer feinen, aber entscheidenden Balance: Einerseits sollen die Kinder die Freiheit haben, ihre Tätigkeiten selbst zu steuern und ihre Neugier zu verfolgen. Andererseits bedarf es gut gestellter Aufgaben und sorgfältig 'angereicherter' Lernumgebungen, die von den Erwachsenen vorbereitet werden. Diese Balance ist keineswegs banal. Sie erfordert eine fachlich und psychologisch fundierte Didaktik, die auf einer breiten wissenschaftlichen Empirie basiert. Es geht darum, Lernumgebungen zu schaffen, die sowohl herausfordern als auch zum Experimentieren einladen, die sowohl Struktur geben als auch Raum für Kreativität lassen.
Dieser vielversprechende Ansatz ist jedoch nur so stark wie die Menschen, die ihn leben und lehren. Genau hier setzen inspirierende Initiativen an, wie sie beispielsweise an der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen von Dozentinnen wie Sandra Di Sario und Cornelia Rüdisüli in ihrem Beitrag «Spielbasiertes Lernen in der Aus- und Weiterbildung» vorgestellt werden. Hier lernen angehende Pädagoginnen und Pädagogen, wie sie spielerische Settings und spielbasierte Lernumgebungen gewinnbringend in den Unterricht integrieren können. Sie erwerben die Kompetenz, das Spielen der Kinder nicht nur zu tolerieren, sondern aktiv zu begleiten, zu bereichern und für den Kompetenzerwerb nutzbar zu machen.
Die Vision ist klar: Wir können eine Bildung gestalten, die unsere Kinder begeistert, ihre natürliche Neugier fördert und sie gleichzeitig optimal auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet. Es ist ein Weg, der weder banal noch einfach ist, aber wie Pia Auerswald, Schulinspektorin des Erziehungsdepartements, es so treffend formuliert: «Lasst die Kinder spielen.» Denn im Spiel liegt nicht nur Freude, sondern auch ein unschätzbares Potenzial für tiefgreifendes und nachhaltiges Lernen. Es ist an der Zeit, dieses Potenzial voll auszuschöpfen.




